Beim Hundetreffen, auf der Hundewiese oder beim Spaziergang – überall sieht man Hunde, die fröhlich Stöcke tragen, jagen oder stolz herumzeigen. Für viele Fellnasen ist das einfach das Größte! Aber ich möchte heute ein Thema ansprechen, das mir wirklich sehr am Herzen liegt, weil ich es am eigenen Hund erlebt habe: Stöcke und Äste können gefährlich werden!
Wie alles begann
Meine Hündin Frieda, eine Französische Bulldogge, ist eine echte kleine Abenteurerin. Sie liebt es zu rennen, zu toben und natürlich mittendrin zu sein, wenn andere Hunde Spaß haben. Doch eines Tages passierte etwas, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist: Ein kleiner Hund rannte mit einem längeren Ast im Maul ganz nah an Frieda vorbei – und der Ast war genau auf Augenhöhe.
Zum Glück ging in dem Moment alles gut, aber mir wurde da erst so richtig bewusst, wie schnell etwas Schlimmes passieren kann. Kurz darauf war es dann leider doch passiert: Frieda wurde beim Gassi gehen mit anderen Hunden durch einen dünnen Ast am Auge gestreift – eine scheinbar kleine Verletzung, die sich jedoch als sehr hartnäckig herausstellte. Ihr Auge tränte stark, und trotz längerer Behandlung beim Haustierarzt heilte die Hornhaut einfach nicht richtig ab. Also fuhren wir schließlich in die Tierärztliche Spezialpraxis für Augenheilkunde zu Dr. med. vet. Anja Engelhardt nach Augsburg.
Die Diagnose
Dort wurde festgestellt, dass Frieda ein sogenanntes refraktäres Hornhautulkus (SCCED) hatte – also eine Verletzung der Hornhaut, die sich nicht von selbst schließen wollte. Das ist bei Hunden mit großen, runden Augen leider gar nicht so selten.
Frau Dr. Engelhardt erklärte mir, dass die oberste Schicht der Hornhaut sich nicht neu bildet, wenn das Epithel „lose“ bleibt. Die einzige Möglichkeit, das zu beheben, war eine kleine Operation.
Frieda wurde in Lokalanästhesie behandelt: Die Tierärztin entfernte vorsichtig die beschädigte Hornhautschicht mit einer feinen Diamantfräse und setzte anschließend eine spezielle (selbst auflösende) Bandagelinse ein, die das Auge schützt und die Heilung unterstützt. Dazu bekam Frieda mehrere Medikamente, Augentropfen und – das Schwierigste für sie – sie musste konsequent den Halskragen tragen und durfte keinen Kontakt zu anderen Hunden haben.
Die ersten Tage nach dem Eingriff waren für uns beide anstrengend: Tropfen, Salben, Tropfen – gefühlt stündlich. Aber die Mühe hat sich gelohnt: Nach etwa zehn Tagen war das Auge deutlich besser, und heute sieht man zum Glück nichts mehr davon.
Was ich daraus gelernt habe
Seit dieser Erfahrung bin ich beim Spielen mit anderen Hunden viel vorsichtiger geworden – besonders, wenn irgendwo Stöcke im Spiel sind. Denn so harmlos es aussieht, kann es leider ganz schnell ernst werden. Eine unbedachte Bewegung, ein Sprung, ein vorbeifliegender Ast – und schon ist das Auge verletzt.
Gerade bei Rassen wie Französischen oder Englischen Bulldoggen, Mops oder Boston Terriern, deren Augen etwas hervorstehen, ist das Risiko besonders hoch. Hornhautverletzungen sind nicht nur schmerzhaft, sondern oft auch langwierig in der Behandlung. Und wenn es schlecht läuft, kann ein Hund sogar sein Auge verlieren.
Ein Appell an alle Hundefreunde
Ich möchte niemandem den Spaß verderben – aber vielleicht können wir alle gemeinsam ein bisschen besser aufpassen. Wenn Hunde beim Treffen oder Spaziergang toben, ist es besser, wenn keiner mit einem Stock oder Ast im Maul herumläuft. Das schützt nicht nur die Augen, sondern verhindert auch Streit, denn oft gibt’s wegen Stöckchen oder Spielzeug kleine Rangeleien.
Und bitte denkt auch daran: Stöcke können nicht nur für die Augen gefährlich sein. Es gibt immer wieder schlimme Fälle, in denen Hunde sich beim Werfen oder Fangen eines Stocks Verletzungen im Maul oder Rachen zuziehen – manchmal sogar mit lebensgefährlichen Folgen.
Seit Friedas Augenverletzung bitte ich andere Hundehalter, bei gemeinsamen Gassirunden auch auf das Stöckchen spielen zu verzichten und keine Stöckchen zu werfen – um Verletzungsrisiken zu vermeiden.
Mein Fazit
Frieda hat alles gut überstanden – und ich bin unglaublich dankbar dafür. Aber ich möchte nicht, dass andere Hundebesitzer dasselbe durchmachen müssen.
Ein bisschen Achtsamkeit reicht oft schon aus, um unsere Hunde vor solchen Verletzungen zu schützen.
Was ist ein refraktäres Hornhautulkus (SCCED)?
Ein refraktäres Hornhautulkus, auch SCCED (Spontaneous Chronic Corneal Epithelial Defect) genannt, ist eine nicht heilende Verletzung der Hornhaut des Auges, also der klaren, durchsichtigen
Schicht, die das Auge nach außen hin schützt.
Was passiert bei einem refraktären Hornhautulkus (SCCED)?
Normalerweise heilt eine kleine Hornhautverletzung beim Hund innerhalb weniger Tage: neue Zellen wachsen, die Wunde schließt sich, und alles ist wieder gut.
Beim SCCED funktioniert dieser Heilungsprozess nicht richtig – die oberste Schicht der Hornhaut (das sogenannte Epithel) haftet nicht fest an der darunterliegenden Schicht.
Das bedeutet:
Typisch ist, dass die Wunde trotz Medikamenten (z. B. Antibiotika und Augensalben) nicht heilt oder immer wiederkommt.
Warum passiert das?
Die genaue Ursache ist nicht immer klar, aber:
Wie wird es behandelt?
Wenn normale Medikamente nicht helfen, muss die defekte oberste Hornhautschicht entfernt werden, damit sich neues, gesundes Gewebe bilden kann.
Das macht man meist unter lokaler Betäubung mit einer feinen Diamantfräse oder speziellen Werkzeugen. Danach wird das Auge mit einer Schutzlinse (Bandagelinse) abgedeckt, und der Hund bekommt
Augentropfen sowie einen Halskragen.
In der Regel heilt das Auge dann innerhalb von etwa 10 bis 14 Tagen – mit einer guten Prognose, wenn man rechtzeitig handelt.
Kurz gesagt:
Ein refraktäres Hornhautulkus (SCCED) ist eine nicht heilende, schmerzhafte Verletzung der Hornhaut, die nur durch eine kleine augenärztliche Behandlung dauerhaft ausheilt.
Ohne Behandlung kann sie chronisch bleiben oder sogar zu schwereren Schäden führen.